Keiner will´s gewesen sein

1628: Die VASA, größtes Kriegsschiff ihrer Zeit, sinkt noch während der Jungfernfahrt. 2015: Der Berliner Hauptstadtflughafen hebt immer noch nicht ab. Was beides verbindet? Fatales Projektmanagement. (Bild: www.vasamuseet.se/en)

In der aktuellen Ausgabe des Wirtschaftsmagazins Brandeins gibt es einen kurzen, prägnanten Beitrag darüber, warum Projekte scheitern. Zum Beispiel dann nämlich, wenn ständig umgeplant und auf warnende Stimmern nicht gehört wird. Zwei Fallbeispiele werden erzählt, wie sie eigentlich verschiedener kaum sein könnten. Und doch gibt es bemerkenswerte Parallelen. Geschichte 1 spielt 1628, als das größte Kriegsschiff seiner Zeit, die schwedische Vasa, schon bei der Jungfernfahrt kentert. Geschichte 2 läuft noch. Da geht es um den Berliner Flughafen, der ... nun ja, kentern kann er nicht.

Hinterher sind natürlich alle schlau, zumal - im Falle VASA - aus der historischen Distanz.  Es steht wohl fest, dass massive Planungsfehler (und Feigheit vor dem Königsthron) hier direkt in die Katastrophe führten. Im Fall des Berliner Flughafens kann das keine richtig gute Entschuldigung sein. Im 17. Jahrhundert konnte es buchstäblich den Kopf kosten, ein "Der König will es so" zu ignorieren. Aber heutzutage? Mal ganz im Ernst?

   Da droht einem Projektmanager, der Rückgrat zeigt, zumindest kein physisches Ungemach. Aber heute wie vor vierhundert Jahren gibt es Bauherren, die nicht wirklich einen Plan, aber unheilvollen Gestaltungswillen haben. Die sich nicht beraten lassen, koste es, was es wolle. Die unzählige Planänderungen verlangen, was beim Hauptstadtflughafen direktemang in die größte denkbare PR- und Reputationspleite jüngerer Zeit führte. Ausgestanden ist das Ganze noch längst nicht.

  Wir reden zwar bei Großprojekten in Deutschland viel darüber, wie schwierig das Stakeholder Management ist. Und was angeblich in Deutschland alles nicht mehr geht. Dabei haben die richtig großen Projektpleiten jüngerer Zeit  wenig oder nichts mit mangelnder Akzeptanz zu tun: der Berliner Flughafen nicht, die Hamburger Alsterphilharmonie nicht, und die Olympiapleite in München eigentlich auch nicht, wenn man genau hinschaut. Was wir daraus lernen? Nun, mangelnde Kommunikation spielte immer eine Schlüsselrolle. Mehr noch aber Mut und die Bereitschaft, eine Problemlage zur Not öffentlich zu machen, solange das noch hilft. Und dann wäre es irgendwie auch schön, "jemand" würde sich zu seiner Verantwortung bekennen. Am Ende ist es nämlich wieder einmal niemand gewesen. Wie damals, bei der VASA.


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