Vom Züchten exzellenter Schafe

"Amerikas Eliteunis züchten beschränkte Konformisten heran!" Mit dieser so schönen, weil so provokanten These ist zur Zeit ein amerikanischer Literatur-Professor in den Staaten unterwegs. Dahinter steckt mehr als nur der meist profitable Versuch, mal wieder eine neue Sau durchs Dorf zu treiben. In einem ausführlichen Beitrag stellt dieser Tage die FAZ (Frankfurter Allgemeine) die entstandene Debatte und ihre Argumente vor.


  Eine Frage verdient besondere Aufmerksamkeit: Darf es wirklich Luxus sein, sich fürs Nachdenken und Reflektieren, fürs Ausprobieren und Horizonterweitern Zeit zu nehmen? Wenigstens zu Beginn des Erwachsenenlebens? Also im Studium? Wenn alles nur den Diktaten von Verwertbarkeit und Aktualität gehorcht - was ist dann mit so etwas wie Bildung? Wer übernimmt dann das Nachdenken, wer führt künftig die Diskurse? Können wir uns das wirklich leisten?

 

  Hier klingen alte, möglicherweise gute Bildungsideale an, die wir in Deutschland mal hatten. Und die unseren Universitäten - lang, lang ist es her - einen Weltruf gaben. Was in den Staaten die „liberal arts education“ ist (oder besser war), das ist bei uns das humanistische Bildungsideal. Völlig weg ist das hier wie dort nicht, aber es liegt tief begraben unter Hochschulreformen und Globalisierungsdebatten noch und noch.

 

  Wertedebatten wurden eher nicht geführt, als wir Bachelor, Master und Turboabi flächendeckend einführten. Oder, halt, natürlich wurden sie geführt. Wir haben es nur nicht mitbekommen. Denn leise leise wurde uns allen ein neues Menschenbild, ein neues Ideal eingeflößt. Da steht Verwertbarkeit, Verfügbarkeit und Funktionalität ganz oben an. Vielleicht ist es an der Zeit, mal innezuhalten und Fragen zu stellen, statt ständig neue Antworten aufgeproft zu bekommen. Sonst dürfen wir uns nicht wirklich beschweren über die Qualität unserer Führungseliten oder der gesellschaftlichen Debatten.

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